Wer immer nur CO2 in die Luft entlässt oder das zu langsam verringert oder beendet, muss sich irgendwann fragen, wie man CO2 wieder aus der Luft herausholt. Ohne CO2-Entnahmetechnologien wird Klimaschutz nicht klappen. Mehr auf Cicero online.
Ein strittiger Punkt auf der Klimakonferenz in Glasgow war die Frage nach dem internationalen Handel mit Emissionsrechten, also Rechten oder Gutschriften, um Treibhausgase auszustoßen. Die Rechte sind kostbar, weil es in Zukunft immer teurer werden wird, CO2 auszustoßen. Ein neuer Absatzmarkt bietet sich an: Technologien zu entwickeln, die Emissionen senken, vermeiden oder sie sogar zurückholen. VON ANJA PAUMEN am 12. November 2021
Interview mit der Lausitzwelle, TV und Radio aus Hoyerswerda. Was kann die Weltklimakonferenz COP26 leisten und was bedeutet das für die Lausitz?
Gesendet am 5. November im Fernsehprogramm der Lausitzwelle. Länge 5:20 min.
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In der ersten Woche der COP26, der Weltklimakonferenz in Glasgow, standen die Zeichen gut. Die Staats- und Regierungschefs mahnten zu Fortschritten und die Stimmung in der deutschen Delegation war dementsprechend optimistisch.
Die Lausitz ist in Deutschland eine der Regionen, die den Klimawandel langfristig am stärksten zu spüren bekommen. Wirtschaftlich und wettertechnisch. Diese Veränderungen sind nicht aufzuhalten. Deswegen sollten wir sie mitgestalten als sie nur zu erdulden. Jede Veränderung schmerzt. Es hilft zu verstehen, was dabei passiert.
Die Lausitzwelle hat ihr Sendegebiet in der ganzen Lausitz, im Teil von Brandenburg und im Teil von Sachsen. Sie sendet aus Hoyerswerda in Sachsen direkt an der Grenze zu Brandenburg. Sie widmet sich auch den Schmerzthemen: Strukturwandel und Klimawandel.
1.11.2021, 06:15 Uhr – COP26 – Wie noch die Kurve kriegen? Klimaschutz brauche vor allem eines: gute Vermittlung. In ihrem Buch „Projekt Klima – Was jetzt geschehen muss, um noch die Kurve zu kriegen“ zeigt die Biologin und Buchautorin Anja Paumen Lösungsansätze und Motivationen für effektiven Klimaschutz.
Was sollten wir als Erstes anpacken, um beim Klimaschutz keine Zeit mehr zu verlieren, wollte die Moderatorin im Interview auf SR 2 von mir wissen. Weitere Fragen bezogen sich auf die Rolle von Gas und Wasserstoff für die Energiewende und natürlich was die Weltklimakonferenz in Glasgow, COP26, bringen kann.
Näheres dazu im Interview auf dem Kultursender SR2 des Saarländischen Rundfunks mit der SR2-Moderatorin Katrin Aue. Das Interview zum Nachlesen zusammengefasst auf der SR-Homepage
Audio | 29.10.2021 | SR 2 – Katrin Aue / Anja Paumen
Wasserstoff ist bei der so genannten Transformation, der Umgestaltung der fossil basierten Wirtschaftsweise zu einer auf erneuerbaren Energien aufbauenden, besonders entscheidend. Das ist besonders für das Saarland interessant, weil das Bundesland sich eine eigene Wasserstoffstrategie gegeben hat. Wasserstoff ist auch für die Dekarbonisierung, die „Befreiung von Kohlenstoff“ in der Stahlherstellung unerlässlich. Und die Stahlindustrie spielt im Saarland an der Grenze zu Frankreich traditionell eine große Rolle. Saarland könnte bei der Weiterentwicklung von Wasserstofftechnologien daher eine Vorreiterrolle übernehmen.
Mein neues Buch „Projekt Klimaschutz“ ist soeben im Buchhandel und im Internet erschienen. Warum es anders ist als alle anderen Klimabücher, ist schnell erzählt. Warum es hilft, die Kurve der Emissionen zu drücken auch. Aber das steht im Buch selbst.
Projekt Klimaschutz Was jetzt geschehen muss, um noch die Kurve zu kriegen
Anja Paumen
ISBN: 978-3-96238-295-7 Softcover, 320 Seiten
Das Buch ist Anfang Oktober 2021 im Oekom-Verlag erschienen.
Gerne komme ich zu Ihrer Veranstaltung, um die Erkenntnisse und Thesen meines Buches in einem lebendigen Vortragvorzustellen. Nehmen Sie dazu Kontakt mit mir auf.
Wenn die noch amtierende Bundeskanzlerin Angela Merkel auf Schuld angesprochen wird, fehlen ihr die Worte. Angesichts der Zerstörung wirkte die Regierungschefin fassungslos. Dafür kenne die deutsche Sprache kaum Worte, sagte sie. Das, was sie in Schuld sah, sei surreal und gespenstisch.
Aber was bedeutet das, wenn wir von surreal und gespenstisch sprechen? Dem ging der Kulturwissenschaftler Moritz Ingwersen nach. „Surreal“ stehe für vermeintlich fremd, sagte er in einem Vortrag dieser Woche in Dresden. Wörtlich übersetzt steht „surreal“ für überwirklich, also der Wirklichkeit entzogen, darüber stehend oder schwebend. In der Kunst würde man mit dem Wort „surreal“ auch Traumlandschaften beschreiben, erklärte der Juniorprofessor der TU Dresden. Wirklichkeit und Träume verschwimmen in surrealen Bildern.
„Gespenstisch“ stehe für etwas Fremdartiges, so Jun.-Prof. Ingwersen weiter, aber nicht nur. Denn in dem Wort stecke auch die Bedeutung, dass dieses Gespenstische ein Zeichen für ein Trauma sein kann. Etwas, was wir Menschen irgendwann schon einmal gesehen und erlitten haben. „Wir haben etwas verdrängt. Es war also schon da“, interpretiert Ingwersen das Wort. Das Gespenst kehrt wieder zurück.
Was aber ist Verdrängung? Im Sport ist das Wort geläufig. In der Sportschau berichtet der Kommentator, dass Bayern München Borussia Dortmund von dem ersten Platz verdrängt hat. Mag sein, dass es für die Borussen auch eine Art von Trauma ist, schließlich war es sicherlich nicht das erste Mal.
Dass die Fußballer von Dortmund wie Reus oder Haaland in der Folge aber daran gehindert sind, ihren Alltag zu bewältigen, darf bezweifelt werden.
Kurzum: Beim Sport vom ersten Platz verdrängt zu werden, ist doof, aber gehört zum Sport dazu. Das weiß jede/r Sportler:in und weil sie/er das weiß, kann sie/er sich auch stark dagegen wehren. Diese Tatsache zu verdrängen, wäre in dem Fall sogar kontraproduktiv.
In der Lehre von der Seele, der Psychologie, hat Verdrängung aber eine ganz andere Funktion. Denn hier ist Verdrängung eine Schutzfunktion für die Seele. Verdrängt wird ein schwer zu verarbeitendes Erlebnis, das uns das Weiterleben erschweren könnte, wenn wir weiter daran denken würden. Daher müssen wir es vergessen oder es so weit wegpacken, dass wir das Erlebte nicht mehr sehen oder uns daran erinnern. Gerade weil das Ereignis nicht oder nur schwer zu verarbeiten ist, schieben wir es aus einer Notsituation heraus weit weg in die Tiefen unseres Bewusstseins, was dann das Unterbewusstsein ist. Damit ist das Erlebte nicht mehr bewusst. Es ist aber unterbewusst noch da. Das Ereignis oder genauer gesagt die Erinnerung daran schlummert in uns wie ein unterirdisch aktiver Vulkan.
Wenn das so ist, dann sind die Worte der Kanzlerin in Schuld neu zu bewerten.
Das, was sie am 18. Juli bei ihrem Besuch in dem zerstörten Eifelort Schuld sieht, sei surreal und gespenstisch, weil es für sie unwirklich und vermeintlich fremd ist. Aber eben nur vermeintlich also nicht wirklich fremd! Das hat sie und das haben wir genauso schon einmal gesehen. Wir – wie die Kanzlerin auch. Diese Bilder kennen wir aus anderen Teilen der Erde. Uns jetzt kommt das Entscheidende: Wir wissen auch was dahinter steckt. Wir wissen es, wollen es aber nicht wahrhaben. Verdrängung!
Wir können Erlebtes verdrängen oder nur das Wissen darum. Auch das Wissen lässt sich verdrängen, weil es genauso schmerzhaft sein kann wie etwas konkret Erlebtes. Denn auch Wissen wird von uns erlebt: Wir sehen Bilder, hören Nachrichten, lesen Informationen und haben dann dazu Gefühle, die uns so schmerzen, dass wir sie verdrängen wollen. Verdrängtes kommt also ursprünglich aus der Wirklichkeit. Es ist oder war zu einem bestimmten Moment wahr, echt und real. Danach haben wir es aber aktiv vergessen wollen und deswegen verdrängt.
Aber jetzt angesichts von Schuld können wir es nicht mehr verdrängen.
Es poppt wieder hoch: Wie ein Korken, den wir unter Wasser drücken wollen. Wir alle wissen was hinter der Flutkatastrophe im Ahrtal, an der Erft und der Wupper steckt. Der Klimawandel.
Ganz ehrlich: Verdrängung ist kurzfristig sinnvoll, aber auf Dauer macht es alles nur schlimmer. Ich habe ein Mittel für Sie und dich gegen die Verdrängung des Klimawandels. Es ist ein Mittel, das gut verträglich ist und deren Gebrauch Heilung in Aussicht stellt.
Heilung für unsere Seele und unsere Erde: Wir können etwas gegen den Klimawandel tun.
Details erfahren Sie und erfährst du in meinem neuen Buch.
Beim Wort nachhaltig geht gehörig was durcheinander – oder läuft auseinander. Über einen Widerspruch im Sprachgebrauch… über ein Synonym, das keines ist.
Gestern am 23. Juli 2020 kam folgende Meldung in den Nachrichten vom Deutschlandfunk: „Nachhaltiger Gewinn bei Tesla!“
Sorry, aber das ist falsch! Im ursprünglichen Sinne gibt es keinen nachhaltigen Gewinn bei Tesla. Warum nicht? Der Gewinn bei Tesla kann nicht nachhaltig sein, denn der Gewinn von Tesla kommt durch massenhafte Produktion und Verkäufen von Elektroautos zustande.
Von April bis Juni 2020 erwirtschaftete Tesla einen Gewinn von 104 Millionen Dollar. Damit, so heißt es auf der Webseite der Tagesschau, schrieb das US-Unternehmen erstmals seit der Gründung 2003 über zwölf Monate hinweg schwarze Zahlen. Anders gesagt: das sind vier Quartalsgewinne in Folge. Der letzte also im Jahresquartal April, Mai, Juni 2020.
Damit nicht genug: trotz Corona Pandemie, so heißt es weiter, halte der E-Autobauer an seinem ambitionierten Ziel fest, im Jahr 2020 über 500.000 Autos auszuliefern. Während der Automarkt in der Corona Krise weltweit einbrach, verlor Tesla nur etwa fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, weil Tesla immer noch 91.000 Fahrzeuge in drei Monaten absetzen konnte.
So mehr muss man eigentlich dazu nicht schreiben.
Nachhaltig ist hier wohl eher gemeint im Sinn von langanhaltend. Aber langanhaltend ist NICHT gleich nachhaltig. Zumindest nicht in dem Sinne von nachhaltig wie es in anderen Zusammenhängen in der Gegenwart von Medien und Menschen benutzt wird und wie es auch ursprünglich bei Einführung des Wortes gedacht war. Eigentlich bedeutet nachhaltig so viel wie umwelt- und ressourcenschonend, generationengerecht und menschenschonend. Hier die genaue Definition von nachhaltiger Entwicklung aus dem Brundtland-Bericht von 1987, mit der der Begriff in die globale Diskussion eingebracht wurde.
Sustainable Development is development that meets the needs of the present without compromising the ability of future generations to meet their own needs. Nachhaltige Entwicklung ist eine Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart sichert, ohne die Fähigkeit zukünftiger Generationen zu beeinträchtigen, ihre Bedürfnisse zu sichern. (Abschlussbericht der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung, world commission for environment and development, wced, 1987).
Der daraus abgeleitete Begriff Nachhaltigkeit, Sustainibility, wird in der Definition vom Weltklimarat IPCC, so übersetzt: A dynamic process that guarantees the persistence of natural and human systems in an equitable manner. Okay, das ist dann der Super-Anspruch: Ein dynamischer Prozess, der das Weiterbestehen des natürlichen und menschlichen Systems in einer gerechten Art und Weise garantiert.
Vielleicht kann man sich hierauf einigen: Sustainable development is development that meets the needs of the present and future generations through balancing economic, social and environmental considerations. (IPCC Special Report 1,5°C, 2018). Aber auch hier ist von einem Ausgleich, von einer Balance zwischen wirtschaftlichen, sozialen und umweltbedingten Überlegungen die Rede.
Ein globales auf maximalen Gewinn ausgelegtes Unternehmen, das diese Balance lebt, gibt es meines Wissens nicht. Oder kennen Sie so eines? Ein Unternehmen, das eine halbe Million Autos pro Jahr ausliefern will, ist weder ressourcenschonend noch generationengerecht. Es wird mit dieser Produktion das Weiterbestehen des natürlichen Systems auf unserer Erde nicht garantieren, wie vom Begriff her gefordert. Vielleicht ist es gut für die Menschen, die gerade in dem Moment in den Autohallen arbeiten und für die in den Zulieferbetrieben. Aber wie lange soll das weitergehen? Dieses Unternehmen von seinem Anspruch her oder von seinem Gewinn her als nachhaltig zu charakterisieren ist entweder a) irrsinnig oder b) in einem anderen Sinn von nachhaltig zu verstehen. Eben wie langanhaltend. Aber das muss man erkennen und nicht als Etikettenschwindel durchgehen lassen! Auch ein Krieg kann lange anhalten, aber nachhaltig würde ich ihn nicht nennen.
Cottbus hat ein neues Symbol, das in der Klimawissenschaft für mehr Engagement zum Schutz des Klimas steht.
Die Fassade des neuen Bahnhofsgebäudes zieren die Warming Stripes, die Wärmestreifen.
Bahnhofsgebäude mit Streifenfassade. www.s-h.info/
Diese so genannten Warming Stripes stehen in der Klimawissenschaft als markantes Bild für den Anstieg der weltweiten Lufttemperaturen in den letzten 150 Jahren. Sie gehen auf den britischen Klimaforscher Ed Hawkins zurück, der sie 2018 der Wissenschaftsgemeinde vorstellte.
Die Warming Stripes sind das Logo der Scientists for Future geworden. Hier haben sich über 25.000 Wissenschaftler zusammengeschlossen, um die Fridays for Future Bewegung zu unterstützen.
Wissenschaftler für die Zukunft – Sie unterstützen die Fridays for Future Bewegung. www.scientists4future.org
Mit dieser Botschaft an einem ihrer wichtigsten Knotenpunkte stellt sich die brandenburgische Stadt, mitten in der Debatte um Kohleausstieg und Strukturwandel, auf die Seite der Klimawissenschaftler: Raus aus der Kohle – rein in die Zukunft. Cottbus für Klimaschutz.
Die Fassade wurde von dem Design Büro Strauss & Hillegaart aus Cottbus gestaltet.
„Wenn das so gesehen wird, dann ist das total super“, bekennt Markus Hillegaart. Er ist Geschäftsführer des Design Büros und begrüßt die Interpretation mit dem Klimawandel ausdrücklich, wie er sagt. Ihre Inspiration für das Design seien aber die Wolken und ein vorbeifahrender Regionalexpress gewesen. Wenn diese verpixelt werden, so Hillegaart, ergeben sie dieses Streifenbild.
Die Fassade des Bahnhofsgebäude mit den Warming Stripes. www.s-h.info
Zufall?
Wolken sind in der Klimawissenschaft eines der kritischsten Forschungsbereiche. Manche Wolkenbildungen erwärmen die Atmosphäre, andere kühlen sie! In Zukunft könnte man an der Wolkenbildung drehen wollen. Auch der Regionalexpress passt ins Bild. Wer auf die Bahn umsteigt, schont das Klima. Wir brauchen mehr Züge für die Zukunft.
Für mich ist das definitiv kein Zufall. Es ist ein Wink für die Stadt und die Region. Cottbus steht wie die gesamte Lausitz am Scheideweg. Auf in die Vergangenheit oder zurück in die Zukunft? Aber entscheiden Sie selbst!
Bahnhofsuhr – in den Wolkenstreifen. www.s-h.info/
Hintergrund:
Für jedes Land lässt sich ein eigenes Warming-Stripes-Muster anfertigen, je nachdem wie weit die nationalen Durchschnittstemperaturen schon gestiegen sind. Weltweit sind die Temperaturen um 1,1°C gemittelt über alle Land- und Wasserflächen der Erde bereits angestiegen. Aber in den nördlichen Regionen sind die Anstiege viel höher. In der Arktis liegen die Temperaturanstiege teilweise bei 3 – 4°C und auch in Deutschland, das weit nördlich auf der Nordhalbkugel liegt, sind die Durchschnittstemperaturen schon viel stärker als weitweit gestiegen: um 1,6°C. Das belegen die aktuellen Werte des Deutschen Wetterdienstes von 2020. Damit steht Deutschland schon jetzt außerhalb des ambitionierteren Pariser Klimaziels. In Paris ist 2015 vereinbart worden, dass die Weltgemeinschaft die Temperaturerhöhung auf 2°C und möglichst sogar auf 1,5°C begrenzen soll.
Seit Juli 2018 gibt es auch nationale Wärmestreifen für Deutschland. Sie basieren auf den historischen und aktuellen Temperaturwerten aus Deutschland. Diese werden dann in Farbstreifen übersetzt.
Wärmestreifen für Deutschland. www.klimafakten.de
Die Grafik visualisiert die Durchschnittstemperatur für Deutschland zwischen 1881 und 2017; jeder Streifen steht für ein Jahr, Basis ist der Datensatz des DWD; Grafik: Ed Hawkins/klimafakten.de.
In manchen Bildern ist das Rot schon in Schwarz übergegangen – ganz rechts auf der Skala. Schwarz – für einen Anstieg von mehr als 2°C.